Es brennt mir vieles auf dem Herzen und zugegeben - ich fühle stark. Das hat schon so manche Menschen eingeschüchtert, entmutigt, um nicht zu sagen abgeschreckt. Es waren in erster Linie Männer, die meine Art zu sein so sehr verunsichert hat, dass sie mich maßregeln und zurechtweisen mussten. Ihre Sätze begannen dann immer mit "Du bist zu...." und "Du musst weniger....sein". Vor allem haben sie meine Emotionen gestört. Damit konnten sie nicht umgehen. Dass ich so stark fühle, das sei nicht normal. Ich solle mich entspannen, cool sein, langsam machen.
Ich wünschte, sie hätten sich mehr Zeit genommen mich wirklich kennenzulernen, aber es wurde mir schnell klar, dass es in den wenigsten Fällen um mich ging, sondern um deren Bedürfnisse, die gestillt werden wollten. Und ich habe mich ihrer angenommen und sie in meinem Schoß mit dem versorgt, wonach es sie dürstete. Aber bitte immer ohne Gefühle. Gefühle haben hier keinen Platz. Doch wie können Sinn und Sinnlichkeit ohne Gefühle existieren? Wie kann ein gesunder Mensch seinen Körper von den Gefühlen abspalten und Bedürfnisse rein maschinell betrachten?
Ist das nicht perfide? Toxisch? Traumatisierend?
Ist das Spüren und das Empfinden nicht der Weg zur Erkenntnis und wahrem Erleben? Wenn ich mich selbst nicht mehr spüre, weil ich meine Gefühle abtöte, dann bin ich krank. Denn das menschliche Dasein ist ein Fest der Sinne und der Gefühle.
Und so bin ich dankbar, dass ich stark fühlen kann und mir erlaube stark zu fühlen. Denn das Fühlen macht mich lebendig, als Frau, als Mensch, als Lebewesen. Fühlen zu können ist eine Fähigkeit, eine Stärke und keine Behinderung. Eine Gesellschaft, die das Fühlen abtöten will, muss hinterfragt werden. Männer, die Frauen das Fühlen abtrainieren wollen, damit sie leichter ihre Triebe befriedigen können, sind toxisch.
Frei nach Kant: Wage Dich Deiner Gefühle zu betätigen. - Stephanie Steiner
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