Direkt zum Hauptbereich

Den Geräuscharmen gehört die Stille

Manchmal schleicht die Zeit auf Samtpfoten um die Ecke und lässt mich glauben, sie stünde still. Dann ergreife ich die Gunst der Stunde und streife um den Block. In der Stille der Nacht, die alles schluckt. Genau dann, wenn die Teufel im Schlaf wie Engel erscheinen, ist der richtige Zeitpunkt.
Die Straßenlampen werfen ihre Lichtkegel auf den Boden. Die kühle Luft umfängt meine Lungen und treibt die Müdigkeit aus allen Zellen meines Seins. Mein Gedankenstrom verlangsamt sich und ich werde ganz präsent. Die Betriebsamkeit des Tages ist hinter den Häuserfassaden, die nun verlassen erscheinen, zur Ruhe gekommen. Die Erde atmet zum ersten Mal aus. Nichts wuselt. Nichts treibt. Nur vereinzelt huscht ein Rastloser vorbei. Getrieben vom Geist der Schlaflosigkeit. Er begibt sich dann auch auf die Straßen und irrt umher. Stößt dabei auf Gleichgesinnte.
Doch an mir prallt er ab, denn wir haben uns nichts zu sagen außer „Hallo“ und „Tschüß“.
Die Stille umfängt mich mit offenen Armen und heißt mich willkommen in ihrem unendlichen Reich. Willst Du ein Stück Unendlichkeit spüren und begreifen, begib Dich um zwei Uhr nachts nach draußen. Fernab von Städten. Auf dem Land, in irgendeiner Provinz begegnest Du ihr, der allbekannten Unbekannten. Sie gesellt sich jederzeit zu Dir, wenn Du ihre Nähe suchst. Wenn es in Deinem Kopf laut wird, verschwindet sie ohne sich zu verabschieden. Sie verschmäht Dich, wenn Du zwischen Dir und ihr Türme aufbaust. Nur den Geräuscharmen gehört die Stille. Und heute Nacht gehöre ich ihr.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Auf dem Herzen

Es brennt mir vieles auf dem Herzen und zugegeben - ich fühle stark. Das hat schon so manche Menschen eingeschüchtert, entmutigt, um nicht zu sagen abgeschreckt. Es waren in erster Linie Männer, die meine Art zu sein so sehr verunsichert hat, dass sie mich maßregeln und zurechtweisen mussten. Ihre Sätze begannen dann immer mit "Du bist zu...." und "Du musst weniger....sein". Vor allem haben sie meine Emotionen gestört. Damit konnten sie nicht umgehen. Dass ich so stark fühle, das sei nicht normal. Ich solle mich entspannen, cool sein, langsam machen. Ich wünschte, sie hätten sich mehr Zeit genommen mich wirklich kennenzulernen, aber es wurde mir schnell klar, dass es in den wenigsten Fällen um mich ging, sondern um deren Bedürfnisse, die gestillt werden wollten. Und ich habe mich ihrer angenommen und sie in meinem Schoß mit dem versorgt, wonach es sie dürstete. Aber bitte immer ohne Gefühle. Gefühle haben hier keinen Platz. Doch wie können Sinn und Sinnlichkeit ohne...

WAY TOO MUCH & MANY MORE (poetical rant anthem) - POEM 001

Does he like me or my body or both | We have way too many options | Suddenly he puts himself into me and later on, when he´s gone I receive this txt | YOU ARE NOT MY TYPE I sqeeze every possible wickedness into word cascades on WhatsApp.WhatsApp has become the middle man between my emotions and the need to express Myself. My Thoughts. My Emotions. Live & direct has been replaced by I-read-it-when-I-get-the-chance to. Communication has become vulnerable and complicating. WhatsApp doesn´t empower me. It makes me a victim of constant misunderstanding and misinterpretations. I have to explain myself and  re-explain myself and I am tired like an old tree having seen too much. My emotions want to retire from the rollercoaster rides these boys and girls put me through. Fuck! Gimme something new! I am done with the old shit. The repetition of old patterns. Old beats. New school going back to the roots. Art has lost it...

Das gewisse Etwas ~ Definitionsversuch

< In einer Welt, in der mit einem Klick die gesamte Welt verfügbar zu sein scheint und sich über den Bildschirm ergießt,  erscheint das Besondere banal und das Banale besonders reizvoll. Erstickt von einer Flut von Bildern wird der Blick fürs das Wesentliche verschleiert.> Ständiges Starren auf Bildschirme verschiedener Formate, die öfter berührt werden als Haut, stumpft ab.  Und dennoch huschen hin und wieder Fetzen von Sensation und Zauber ins Blickfeld und wecken das taub gewordene Auge aus dem Fixationsmoment auf. Frauen mit dem gewissen Etwas werden in einer Landschaft, die in Grau getüncht ist, zu essentiellen Farbtupfern.  Das gewisse Etwas entzieht sich einer in Stein gemeißelten Definition, denn es ist nicht mit dem Verstand, sondern dem sechsten Sinn zu erfassen. Und dieser bedient sich feiner Antennen, mit denen jeder ausgestattet ist. Die Frau mit Pep entgeht keinem. Sie lässt Männeraugen aufblicken und bringt ihre von Routine und Anspannung er...