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Den Geräuscharmen gehört die Stille

Manchmal schleicht die Zeit auf Samtpfoten um die Ecke und lässt mich glauben, sie stünde still. Dann ergreife ich die Gunst der Stunde und streife um den Block. In der Stille der Nacht, die alles schluckt. Genau dann, wenn die Teufel im Schlaf wie Engel erscheinen, ist der richtige Zeitpunkt.
Die Straßenlampen werfen ihre Lichtkegel auf den Boden. Die kühle Luft umfängt meine Lungen und treibt die Müdigkeit aus allen Zellen meines Seins. Mein Gedankenstrom verlangsamt sich und ich werde ganz präsent. Die Betriebsamkeit des Tages ist hinter den Häuserfassaden, die nun verlassen erscheinen, zur Ruhe gekommen. Die Erde atmet zum ersten Mal aus. Nichts wuselt. Nichts treibt. Nur vereinzelt huscht ein Rastloser vorbei. Getrieben vom Geist der Schlaflosigkeit. Er begibt sich dann auch auf die Straßen und irrt umher. Stößt dabei auf Gleichgesinnte.
Doch an mir prallt er ab, denn wir haben uns nichts zu sagen außer „Hallo“ und „Tschüß“.
Die Stille umfängt mich mit offenen Armen und heißt mich willkommen in ihrem unendlichen Reich. Willst Du ein Stück Unendlichkeit spüren und begreifen, begib Dich um zwei Uhr nachts nach draußen. Fernab von Städten. Auf dem Land, in irgendeiner Provinz begegnest Du ihr, der allbekannten Unbekannten. Sie gesellt sich jederzeit zu Dir, wenn Du ihre Nähe suchst. Wenn es in Deinem Kopf laut wird, verschwindet sie ohne sich zu verabschieden. Sie verschmäht Dich, wenn Du zwischen Dir und ihr Türme aufbaust. Nur den Geräuscharmen gehört die Stille. Und heute Nacht gehöre ich ihr.

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